Robert Habeck hat seinen Rückzug aus der aktiven Politik angekündigt und will sein Bundestagsmandat niederlegen. Der ehemalige Wirtschaftsminister und Vizekanzler begründete seine Entscheidung in einem Interview mit der taz damit, dass er weder als "hönig zynischer Kommentator" agieren noch "wie ein Gespenst über die Flure laufen" wolle. Stattdessen plant er eine berufliche Neuorientierung im Ausland, unter anderem mit einer Tätigkeit an einer dänischen Universität.
In seinem Abgangsinterview übte Habeck scharfe Kritik an verschiedenen politischen Akteuren. Besonders heftig attackierte er CSU-Chef Markus Söder, dessen Auftritte er als "fetischhaftes Wurstgefresse" bezeichnete und ihm vorwarf, keine echte Politik zu betreiben. Auch die CDU-Bundestagsvizepräsidentin Julia Klöckner kritisierte er scharf und nannte sie eine "Fehlbesetzung", die nur polarisiert und gespalten habe, anstatt Dinge zusammenzuführen.
Die Grünen zeigen sich dankbar für Habecks Arbeit in der Regierung und würdigen seine Leistungen beim Ausbau erneuerbarer Energien. Kritiker werfen dem scheidenden Politiker hingegen vor, durch seine Energiepolitik und den beschleunigten Atomausstieg die deutsche Wirtschaft geschwächt zu haben. Besonders umstritten bleibt sein Umgang mit der Energiekrise nach dem Wegfall russischer Gaslieferungen.
Mit seinem Weggang ins Ausland vollzieht Habeck auch eine Abmeldung aus Deutschland, was Fragen zu seinem künftigen Wohnsitz und steuerlichen Verpflichtungen aufwirft. Seine Entscheidung, das Land zu verlassen, dessen Regierung er mitverantwortet hat, wird von Kritikern als symptomatisch für seinen politischen Stil bewertet. Die Nachfolge im Wirtschaftsministerium soll Katharina Reiche antreten, die vor der Herausforderung steht, die Energiepolitik in einer schwierigen Phase zu übernehmen.
Originalbeitrag von Politik mit Kopf


